521 Follower
52 Ich folge
tintenelfe

Tintenhain

Im Tintenhain gibt es Buchgeplauder und Rezensionen, meist im Bereich Fantasy, Jugendfantasy und Belletristik.

 

Hier geht es in den Tintenhain ---->

Er ist wieder da

Er ist wieder da - Timur Vermes Nach 66 Jahren erwacht der 1945 für tot erklärte Adolf Hitler auf einem verlassenen Grundstück in Berlin. Wie er dahin gekommen ist und durch welche Sprünge im Zeit-Raum-Kontinuum der Zeitsprung stattgefunden haben soll, ist völlig unerheblich und wird auch nicht weiter thematisiert, aber eins ist klar: „Er ist wieder da!“

Zunächst hat Hitler etliche Anpassungsschwierigkeiten und versucht, sich im heutigen Berlin zurecht zu finden. Was immer ihm dabei begegnet, wird gnadenlos in sein unverändertes Weltbild eingepasst. So muss trotz des fehlenden Geschützdonners noch Krieg sein, da die Radfahrer mit durchlöcherten Helmen durch die Gegend fahren und die Türken sind wohl allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch an der Seite der Deutschen in den Krieg eingetreten oder wo kommen die sonst alle her? Ein Kioskbesitzer nimmt sich seiner an und verhilft ihm nicht nur zu der Erkenntnis, dass er sich im Jahre 2011 befindet, sondern auch zu einem Vertrag bei einem Fernsehsender. Adolf Hitler ist schier begeistert, als er entdeckt, was man mit dem Fernsehfunk und vor allem auch diesem Internetz alles erreichen kann. Er hat den perfekten Türöffner für das Weiterverfolgen seiner politischen Pläne entdeckt und findet sich erstaunlich schnell zurecht, tatkräftig unterstützt von alle jenen, die eigentlich Profit aus dem neu entdeckten Stern am Comedy-Himmel schlagen wollen.

Der Roman von Timur Vermes ist schon auf den ersten Blick ein echter Eyecatcher, das Cover lässt gar nicht erst Missverständisse aufkommen, wer da wieder da ist. Spätestens der Blick auf den Preis von € 19,33 sollte letzte Zweifel ausräumen.

Timur Vermes ist es gelungen, einen intelligenten, satirisch-witzigen Roman über Hitler zu schreiben, ohne dabei in Klamauk abzurutschen. Er legt den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft und zeigt humorvoll, woran es nicht nur in politischer Hinsicht krankt. Manchmal muss man sich vor lauter Zustimmung besinnen, wer da eigentlich in der Ich-Person spricht und auch der Autor holt den Leser so manches Mal wieder auf den Boden der erschreckenden Realität zurück, wenn er Hitler einer Frau begegnen lässt, die ihre ganze Familie durch den Holocaust verloren hat. – Nicht, dass dieser hier auch nur ansatzweise seine Taten überdenken würde. Vermes zieht die Sichtweise Hitlers konsequent und unbarmherzig durch, mal erschütternd mal sehr erheiternd, zum Beispiel wenn er auf heutige Neonazis tifft und ihnen erst einmal ordentlich den Kopf wäscht: “Ein anständiger Deutscher hat hier nichts verloren.”

© Tintenelfe
www.tintenhain.wordpress.com